Deutschland / Unterricht am Küchentisch; Wenn die Schulpflicht verweigert wird (video)
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In den meisten europäischen Ländern ist Unterricht zuhause, "Homeschooling", erlaubt oder zumindest geduldet. Kaum ein Land hält so verbissen an der Schulpflicht fest wie Deutschland – mit allen Konsequenzen für die Betroffenen.
In den meisten europäischen Ländern ist Unterricht zuhause,
"Homeschooling", erlaubt oder zumindest geduldet. Kaum ein Land hält so
verbissen an der Schulpflicht fest wie Deutschland – mit allen Konsequenzen
für die Betroffenen.
Thomas besuchte nur zwei Wochen eine öffentlichen Schule.
Als Moritz zunehmend mit Krankheiten und aggressivem Verhalten auf den
Schulbesuch reagiert, geben die Eltern Dagmar und Tilman Neubronner dem
Drängen ihres damals achtjährigen Sohnes nach, ihn von der Schule
abzumelden. Seitdem lernt Moritz zuhause, sein jüngerer Bruder Thomas auch
- trotz Schulpflicht in Deutschland.
Flucht vor der Schulpflicht
Als die Behörden davon erfahren, werden Neubronners hohe Zwangsgelder
auferlegt mit der Androhung weiterer Zwangsmaßnahmen, falls sie ihre Kinder
nicht zur Schule schicken. Aus Furcht, das Sorgerecht zu verlieren,
verlässt die Familie Deutschland und hält sich größtenteils im europäischen
Ausland auf – bis heute.
Unermüdlich kämpfen die Eltern für die Lernfreiheit ihrer Kinder, damit die
Familie ein normales Leben in Bremen, wo ihr zuhause ist, führen kann.
Heute sind Moritz und Thomas zwölf und zehn Jahre alt und wären eigentlich
in der 7. und 5. Klasse. Stattdessen lernen die beiden freiwillig zuhause
und bestimmen ihre Lernziele selbst. Neubronners gehören zu den so
genannten Unschoolern. Sie folgen einer Philosophie, nach der Kinder gern
lernen und dies am besten ohne Zwang.
Kampf für die Lernfreiheit
Auch Rosemarie und Jürgen Dudek widersetzen sich der Schulpflicht. Sie
unterrichten ihre Kinder zuhause wie in einer Zwergschule. Der Stundenplan
richtet sich nach dem offiziellen Lehrplan. Von ihren sieben Kindern sind
derzeit vier Kinder schulpflichtig. Dudeks wollen ihren besonderen Glauben
an Gott und die Bibel leben. Aus diesem Grunde möchten sie ihre Kinder
nicht staatlichen Schulen überlassen, wo sie ihre Werte nicht wiederfinden.
Im Gegensatz zu anderen strenggläubigen Christen gehören Dudeks weder einer
religiösen Gruppe an noch versuchen sie, ihre Kinder von der Welt
fernzuhalten. Soziale Kontakte knüpfen sie bei der freiwilligen Feuerwehr,
im Schwimmverein oder bei den Pfadfindern. Wie die meisten Eltern wollen
auch Rosemarie und Jürgen Dudek nur das Beste für ihre Kinder. Damit ihr
ältester Sohn Jonathan seine Schulzeit mit einem staatlichen Schulabschluss
beendet, besuchte er im letzten Jahr die zweite Hälfte der zehnten Klasse
einer Realschule. Mit der Note 1,1 schloss Jonathan das Schuljahr als
Klassenbester ab.
Gefängnisstrafe für Eltern
Seit fast zehn Jahren unterrichten Rosemarie und Jürgen Dudek ihre Kinder
inzwischen zuhause. Aufgrund von Wohnungswechseln blieben sie lange von den
Behörden unentdeckt. Im letzten Jahr wurden die Eltern zu je drei Monaten
Gefängnisstrafe verurteilt, ohne Bewährung. Dudeks gehen in Revision und
müssen vorerst nicht ins Gefängnis. Jetzt warten sie auf das endgültige
Urteil.
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